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Mögliche gesellschaftliche Auswirkungen

April 7, 2008

Was könnten die Folgen einer solchen technischen Errungenschaft für die Gesellschaft bedeuten? Im schlimmsten Fall könnte sich unsere Gesellschaft mehr und mehr hin zu einem Überwachungsstaat entwickeln oder die neuen technischen Gadgets werden doch eher als unterstützendes Hilfsmittel angesehen.

[...]“Bereits heute sind persönliche elektronische Tagebücher in Mode gekommen. Diese lösen mehr und mehr persönliche Hompages ab. Speziell junge Leute machen regen Gebrauch von Blogs und mobilen Aufzeichnungsgeräten. Da sich das digitale Aufzeichnen trotz der gegenwärtigen, noch bescheidenen Möglichkeiten derartiger Beliebtheit erfreut, erfüllt es offensichtlich ein weit verbreitetes Bedürfnis; es wird sicherlich noch weiter zunehmen, sowie Technik noch einfacher, umfasssender und preiswerter wird.”[...] (vgl. Artikel ”Erinnerung total” S. 88)

Klar scheinen auch nicht die Bewüggründe eines Menschen zu sein, der sein Leben digitalisiert und sich so die digitale “Unsterblichkeit” sichert. Manche sehen dies als mehr als eine Gedächtnisstütze an und andere geniessen die ununterbrochene Aufmerksamkeit, die ihnen das System zu Teil werden lässt.

Auch wenn die Motive sehr unterschiedlich sein können, so ist die Idee einer Hinterlassenschaft für die Nachwelt jedoch nicht erst mit dem Computerzeitalter entstanden. Schon früher war die Menschheit von dem Gedanken fasziniert von der Erlangung der Unsterblichkeit wie beispielsweise die alten Ägypter, welche ihre Energie und Kraft dazu verwendeten, den Pharaonen ein Denkmal zu setzen und diese für das ewige Leben zu konservieren.

Totengott Anubis legt bei der Mumifizierung persönlich Hand an (Ägypten, 13. Jahrhundert v. Chr.)

Schlussendlich wird es aber keine allgemeingültige Lösung geben. Jeder Mensch muss für sich selbst entscheiden können, wieweit seine digitale Unsterblichkeit gehen soll.

 

Quellen:

Bild http://www.scienzz.de/magazin/upload/kultur2007/Mumie-PaserGrab.jpg

Spektrum der Wissenschaft, No. Mai 2007. (May 2007), pp. 84-92.
by Gordon Bell, Jim Gemmell

Ein Kommentar

  1. Ich denke, die meisten Prosumenten der Web2.0-Ära geniessen – wie du sagst – “die ununterbrochene Aufmerksamkeit, die ihnen das System zu Teil werden lässt”. Computeranwendungen und digitale Speicher nehmen ja bekanntlich alles ohne inhaltliche Bewertung entgegen.
    Twitter scheint mir dabei (bislang) die Spitze der inhaltslosen Aufmerksamkeitshascherei zu sein. Aufmerksamkeit (attention) als Währung des Internetzeitalters wurde schon 1997 von Michael H. Goldhaber in seinem Essay “The Attention Economy” definiert: “In einer Welt, in der Konsumgüter kaum noch knapp sind, während um die Aufmerksamkeit von Menschen in ihrer Freizeit immer heftiger konkurriert wird, werde die Währung Geld zunehmend durch die Währung Aufmerksamkeit ersetzt, so seine Argumentation.” (Quelle: http://www.pcwelt.de/it-profi/business-ticker/140745/rebellen_gegen_das_urheberrecht/ )
    Georg Frank ist in seinem Entwurf “Ökonomie der Aufmerksamkeit” von 1998 derselben Meinung: “Unsere
    Aufmerksamkeit ist das Wertvollste, was wir
    geben, und gleichzeitig auch das Wichtigste,
    was wir von anderen erhalten können.”



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