
Was ist MyLifeBits?
Februar 23, 2008
Wer kennt das nicht, wenn einem die Telefonnummer eines Freundes nicht mehr einfallen will oder wir hilflos einer Person gegenüberstehen und uns beim besten Willen nicht mehr an den Namen erinnern können.
All dies soll mit MyLifeBits bald der Vergangenheit angehören. Seit einiger Zeit wurde ein Pilotprojekt bei Microsoft Research iniziiert, welches solchen Gedächtnislücken entgegen wirken soll: der totalen digitalen Aufzeichnung eines Menschenlebens. Gordon Bell, selbst ein Mitarbeiter von Microsoft, ist die erste Testperson, bei welcher seit mehr als sechs Jahren die Kommunikation mit anderen Menschen sowie all seine Interaktionen mit Maschinen aufzeichnet und zudem alles was er sieht, hört und alle Interentseiten, welche er besucht. All diese Daten werden in einem persönlichen digitalen Archiv abgespeichert, was leicht zu durchsuchen und auch sicher sein soll. Dies versichert auf jeden Fall Microsoft. Die Aufzeichnung ist aber nicht nur auf Erlebtes, das bewusst wahrgenommen wird begrenzt, sondern die tragbaren Sensoren erfassen alles, was um Gordon Bell geschieht. Angefangen von dem Sauerstoffgehalt in seinem Blut, bis hin zu der CO2-Konzentration der Atemluft (vgl. Artikel “Erinnerung total” S 84).
Dies geschieht mittels der sogenannten “SenseCam” von Microsoft, die Mister Bell den ganzen Tag um den Hals mit sich herumträgt. Dieses portable Gerät ist mit einem GPS und einem Infrarot-Sensor ausgestattet. Ändern sich die Lichtverhältnisse, beispielsweise beim Betreten oder Verlassen eines Raumes macht die Kamera ein Foto, samt den Positionsdaten. In Zukunft soll die Kamera auch für Audio- und Videoaufnahmen verwendet werden und sukzessive zu einem automatisierten “Life Recorder” ausgebaut werden.
Dieser Blog wird sich mit den Entstehungshintergründen von MyLifeBits beschäftigen, so wie auch mit den Kontroversen zu diesem Thema und widmet sich den gegensätzlichen Argumente betreffend “Überwachung” oder “Gedächtniserweiterung” (vgl. Blogeintrag “Wollt Ihr die totale Erinnerung?”).
Quellen:
Bild http://www.spektrum.de/sixcms/media.php/912/thumbnails/Gordon%20Bell.jpg.242921.jpg
Mal abgesehen von meiner Aversion, mich auf Schritt und Tritt überwachen zu lassen, würde ich nur sehr ungern mein ganzes Leben einer Harddisk oder einem Flash-Speicher anvertrauen. Diesbezüglich äussert sogar Gordon Bell höchstpersönlich Bedenken:
„Das einzige Papier, das ich noch behalten will, sind Geldscheine, Schecks und Aktien“, sagt er. Alles andere, seine Forschungsergebnisse, Fachaufsätze, Vorträge und Bücher, die berufliche und private Korrespondenz, die Urlaubsfotos seiner Familie, alle Filme, die er je gesehen hat und die Lieblingsmusik, die er hört – all das soll elektronisch gespeichert werden. (Quelle: http://db.swr.de/upload/manuskriptdienst/wissen/wi0720032061.rtf)
Interessieren würde mich, ob bei der Finanzierung des Projektes auch Geheimdienste oder andere Regierungsstellen (der USA) beteiligt sind. Schliesslich könnten die generierten Daten der Überwachung, Lokalisierung und allenfalls auch Denunzierung von unliebsamen Personen dienen